Die taz versucht sich an der Erklärung
Wie Indie-Rock den Soul verlor. Die taz und/oder auch der zitierte Frere-Jones scheinen jedoch eher jeglichen Plan verloren zu haben.
Zum einen ist es absurd, so zu tun, als wäre in den 70ern die Rockbewegung voll von schwarzer Musik gewesen. Fakt ist, dass natürlich Bands wie The Clash im Reggae-Umfeld umtriebig waren. Aber das war bei weitem nicht bei allen so. Wo ist etwa das Reggae-Stück der Sex Pistols oder von Joy Division? Dass es zeitgleich zur Explosion der Punk- und Independent-Szene auch noch ein Revival (und somit nicht eine Initialzündung) der Beschäftigung von Weißen mit schwarzer Musik gab, ist sicher eher Zufall als Absicht. Erstens gab es in der Disco-Musik der 70er viel schwarze Musik, Soul, der den Namen auch verdiente. Zweitens war gerade Reggae populär. Drittens wurde nochmal (Revival!) die Musik, die die jamaikanischen Einwanderer in die armen Viertel Englands mitbrachten, populär: Ska, mit dem typischem Offbeat, wie ihn zu der Zeit etwa die Specials, Selector oder Madness spielten. Da die Skinheads und die Punks in den gleichen Ecken hausten, ist es nicht so verwunderlich, dass es da Vermischungen gab. Aber was gab es denn jenseits vom Offbeat-Griff bei Police und Clash? Man sollte sich vielleicht mal daran erinnern, dass nach dem Ur-Punk gleich der coole Synthie-Pop bzw. New Wave gefeiert wurde.
Zum anderen ist es ebenso absurd, zu behaupten, dass im heutigen Indierock keine schwarzen Wurzeln mehr erkennbar wären. Nehmen wir ein sehr plakatives Beispiel: Bloc Party. Sehr erfolgreich mit einem farbigem Sänger. Jetzt kann man sich natürlich streiten, ob der Sound von Bloc Party "Soul" enthält, aber "Rhythmusgefühl" und "genreübergreifendes Zitieren" findet sich da ganz sicher. Aber nehmen wir noch ein anderes Beispiel daher: Die Blues Explosion, besser bekannt auch als John Spencer Blues Explosion. Sie zelebrieren ausschließlich den modernen Rückgriff des Indierocks auf alte "schwarze" Musik. Dann hätten wir noch so Bands wie "At the Drive-In", die eine sehr moderne "schwarze" Variante des modernen Post-Hardcore feierten. Was genau ist denn eigentlich der angeblich verlorene Soul? Gilt etwa ein Jimmy Hendrix auch als "schwarze Musik"? Dann sind "Motorpsycho" oder "The Mars Volta" Beleg dafür, wie sinnlos die Behauptung ist.
Moderne Musik wäre ohne den Einfluss schwarzer Musik nicht denkbar. Das gilt für Indiemusik genauso wie für das alltägliche Radiogedudel.